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Motivation

Alternative Suchmaschinen: Die Google-Seite des Web ist nicht das Web

Alternative Suchmaschinen gegen die Filterblase

Google ist die unangefochtene Nummer eins unter den Suchmaschinen. Es gibt inzwischen aber recht gute Alternativen und zwei starke Argumente, die für ihren Einsatz sprechen: Mehr Privatheit und weniger Filterblase. Aufklärung und Empfehlungen in diesem Artikel.

Die messbare Seite der Welt ist nicht die Welt. Sie ist die messbare Seite der Welt.
– Martin Seel

Die Grenzen der objektiven Suchmaschine

Logo, schmales Eingabefeld, blinkender Cursor, sonst nur weiße Fläche. Die minimalistische Benutzeroberfläche Googles lässt den wenig minimalistischen Informationsfluss zu Google nicht erahnen. Bisherige Suchanfragen, besuchte Webseiten, aktueller Standort, angesehene Werbung. Dies und mehr verwertet Google zur Vermittlung eines ultimativ personalisierten Sucherlebnisses. Unvoreingenommenheit zählt dabei schon lange nicht mehr zu den Grundprinzipien der Ergebnisoptimierung, Relevanz-Maximierung dahingegen schon. Gerade wenn es um die anzuzeigende Werbung geht.

Eine Illusion der Relevanz: Die Filterblase

Google trennt im Datenuniversum die Spreu vom Weizen und serviert uns nur das Relevanteste. Bisherige Aktivitäten beeinflussen dabei maßgeblich, was als relevant für den Nutzer eingestuft wird. Bereits Bekanntes wird somit bekannter, Vertrauenswürdiges vertrauenswürdiger und Relevantes noch relevanter. Der Nutzer wird in eine Wohlfühloase geleitet, in der seine Erwartungen überschaubar und steuerbar sind. In dieser Filterblase erhält er eine personalisierte Darstellung des Datenuniversums und gibt sich der Illusion hin, ein objektives Abbild zu erhalten. Die Filtermechanismen der Suchalgorithmen werden nicht hinterfragt. Von der Relevanz und Güte der Ergebnisse ist man schlicht überzeugt.

Die harmlose Seite der Filterblase

Suche ist nicht gleich Suche und die Filterblase nicht immer bedenklich. Wenn ich nach Rezepten, Haushaltstipps, Problemlösungen, Inspirationen oder Ähnlichem suche, kann ich die Qualität der Suchergebnisse relativ einfach durch ausprobieren verifizieren. Dass mir im schlimmsten Fall noch bessere Rezepte oder Tipps vorenthalten werden, weil die sich außerhalb meiner Filterblase befinden, sollte in der Regel nicht tragisch sein. No harm done.

Schattenseite der Filterblase

Anders sieht es bei der Suche nach Informationen über Politik oder Gesellschaft aus. Diese sind für den Konsumenten nur schwer zu verifizieren, beeinflussen aber maßgeblich das eigene Weltbild. Objektivität ist hier von kritischer Bedeutung, eine Filterblase eher kontraproduktiv. Wenn dem Nutzer eine Informationswelt präsentiert wird, die auf seine Ansichten und Weltanschauungen hin optimiert ist, werden diese nur gestärkt oder gar polarisiert, sofern man nicht darüber reflektiert. So funktionieren Fake News und Wahlmanipulationen. Besonders deutlich wird das bei Diensten wie Google News und noch intensiver in sozialen Netzwerken.

Alternative Suchmaschinen

Die Aufgabe von Suchmaschinen ist das Filtern von relevanten Informationen aus dem Datenuniversum und hierfür brauchen Suchmaschinen nun mal Filter- und Sortiermechanismen. Alles gut soweit. Fragwürdig an Suchmaschinen wie Google ist lediglich die Unverhältnismäßigkeit der Datenerhebung und die durchgängige Personalisierung von Suchergebnissen. Die Gründe zum Einsatz alternativer Suchmaschinen liegen nun also auf der Hand: a) Schutz der Privatsphäre, b) Schutz vor der Filterblase. Folgende Suchmaschinen erfüllen beides und sind nach meiner Einschätzung gut und glaubwürdig. Es besteht kein Anspruch auf Vollständigkeit. Dies ist lediglich meine Auswahl.

DuckDuckGo – Die Private Suchmaschine

DuckDuckGo-Logo

Aus dem Osten der USA verspricht DuckDuckGo maximale Suchmaschinen-Privatsphäre und Null Personalisierung (“Wir sammeln oder teilen keine Ihrer persönlichen Daten”). Gleiche Eingabe ergibt gleiche Ausgabe. Egal wer gerade sucht. Benutzeroberfläche und Bedienung sind simpel, wie man es von Google gewohnt ist. DuckDuckGo bietet auch Apps für Android und iOS mit weiteren Funktionalitäten zur Erhöhung der Privatsphäre beim Suchen und Surfen. Die Homepage bietet zudem weitergehende aufklärende (teilweise provokative) Inhalte zu den Themen Tracking durch Google und Filterblase. DuckDuckGo ist werbefinanziert (nicht personalisiert) und mein persönlicher Favorit.

Ecosia – Die Grüne Suchmaschine

Ecosia

Eine andere Motivation treibt die Anbieter von Ecosia aus Berlin: “Wir verwenden die [Werbe-]Einnahmen aus deinen Suchanfragen, um dort Bäume zu pflanzen, wo sie dringend benötigt werden.” – Social Business pur. Beim Datenschutz geht Ecosia nicht so weit wie DuckDuckGo, aber dennoch ist sie relativ datenschutzfreundlich. Suchanfragen werden nach einer Woche anonymisiert und es werden keine Nutzerprofile gebildet. Benutzeroberfläche und Bedienung sind ebenfalls schlicht. Ecosia bietet eine App für Android und iOS. Wenn man die Mission von Ecosia in Betracht zieht, ist die Ecosia in Summe eine gute Wahl.

Startpage.com – Die Diskrete Suchmaschine

startpage.com

Google-Suchergebnisse mit maximaler Diskretion – das bietet Startpage.com aus den Niederlanden. Bezüglich Datenschutz ist Startpage.com vergleichbar mit DuckDuckGo. Hier stammen die Suchergebnisse allerdings von Google, an das die Suchanfragen anonymisiert weitergeleitet werden. Die dabei entstehende minimale Verzögerung ist akzeptabel. Aber gerade aufgrund der Anonymisierung sind die Suchergebnisse nicht identisch zu einer direkten Google-Suche. Die Unterschiede führen einem den Grad der Personalisierung bei Google glasklar vor Augen. Startpage.com ist ein Versuch wert.

Qwant – Die Schicke Suchmaschine

Für Qwant aus Frankreich sind Privatsphäre und Neutralität die zwei grundlegenden “Säulen”. Die Prinzipien stimmen soweit, aber die Startseite wirkt ein wenig überladen (Tipp: Variante “lite“). Nach meinem Geschmack ist Qwant zu stark marketingorientiert. Es wird viel in die Aufmachung gesteckt und insbesondere irreführende Aussagen trüben das Bild. Qwant wirbt damit, die einzige Suchmaschine zu sein, die “die Freiheiten ihrer Nutzer schützt”. Was Qwant besser macht als beispielsweise DuckDuckGo oder Startpage.com, wird nicht erläutert. Fazit: Wenn DuckDuckGo, Ecosia und Startpage.com nicht überzeugen, gerne mal Qwant ausprobieren. Auch hierfür gibt es Apps für Android und iOS.

Personalisierung durch Menschliche Intelligenz

Trotz des Hypes um künstliche Intelligenz sind Maschinen weit davon entfernt, Informationen wirklich zu begreifen. Die gelobten Personalisierungsalgorithmen von Google und Co. sind lediglich Relevanz-Illusions-Maschinen, die die wahren Bedürfnisse der Menschen nicht ergründen können, sondern diese nur trimmen – beabsichtigt oder unbeabsichtigt. Zur Beurteilung von Informationen sollten wir uns allein auf den Menschenverstand verlassen, aus der Informationsvielfalt schöpfen und die Personalisierung mit menschlicher Intelligenz vollenden. Die Wahl der Suchmaschine ist dabei nur ein Aspekt, aber sie ist ein Aspekt.

Abschließend ein wenig Poesie (in Anlehnung an Martin Seels ‘Die messbare Seite der Welt’):

Google ist ein Fenster, das Web die Welt.
Wie die Zeit vergeht, vertrauter diese Welt.
Grünes scheint grüner, der Himmel immer blauer.
Und die Sonne? Sie leuchtet immergelb.

Ein Anblick, nur schwer zu verlassen.
Bloß auf keine Überraschungen mehr einlassen.
Die perfekte Welt ist scheinbar die Google-Welt.
Doch die Google-Seite der Welt ist nicht die Welt,
sondern nur die Google-Seite der Welt!

Weiterführende Quellen:

Tags : FilterblasePrivatsphäresuchmaschinen
Gökhan Bal

The author Gökhan Bal

Enthusiast für menschen- und gesellschaftsdienliche digitale Innovationen. Experte für digitale Sicherheit und technischen Datenschutz. Digitale Sicherheit betrachte ich nicht nur als meine Profession, sondern vielmehr als meine Mission. Für mich dreht sich dabei alles um den Menschen und seine Bedürfnisse.

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